Pjöngjang, Ankara, Berlin. Nach der Inhaftierung des “Welt”-Redakteurs Deniz Yücel in der Türkei und den anschließenden Quasi-Verboten von einigen Wahlkampfveranstaltungen türkischer Politiker in Deutschland sind die deutsch-türkischen Beziehungen auf einem historischen Tiefstand angekommen. Weil das langfristig keinem nütze, wurde seitens der Bundesregierung der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un als neutraler Konfliktschlichter vorgeschlagen um zwischen den Staaten zu vermitteln.

Während die Miteinbeziehung einer dritten Partei größtenteils positiv aufgenommen wurde, sorgte die Wahl Kim Jong-uns als Moderator für gemischte Meinungen. Befürworter betonen seine ausgewiesene Expertise bezüglich Gedankenwelten und Handlungsmuster eines Staatschefs wie Erdogan: “Wir von der Regierung verstehen den Herrn Erdogan wohl schlicht nicht. Ich hoffe, dass sich Herr Jong-un dank seinem starken Einfühlungsvermögen mit ihm verständigen kann”, so Regierungssprecher Steffen Seibert bei der Verkündung der Wahl.

Andererseits finden Kritiker, dass eine faire und erfolgreiche Vermittlung nur mit einem Moderator aus einem Deutschland-freundlichen Partnerland stattfinden kann. Anbieten würden sich beispielsweise Ägyptens Präsident Sisi, Staatspräsident Xi Jinping aus China oder König Salman von Saudi-Arabien. “So ein Moderator und sein Land sollten als Vorbild dienen können”, erklärt Außenminister Sigmar Gabriel, der lieber mit König Salman gearbeitet hätte.

Das erste Treffen mit den Außenministern beider Länder soll in wenigen Wochen in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang stattfinden. Als Aufheiterung neben den ernsten Gesprächen scheint der Gastgeber einen besonderen Rundgang geplant zu haben: “So viel sei gesagt, ich hoffe ihr mögt Fabriken und Uniformen!”, verkündet Jong-un freudig. Der türkische Außenminister hingegen hat vor die lange Reise in das fernöstliche Land für sich effektiver zu gestalten: Er plant nach den Gesprächen mit den Deutschen diverse Wahlkampfveranstaltungen in Nordkorea.

Bild von KCNA